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In: KulturPoetik 2011, Heft 2

Autor

Ricarda Schmidt

Titel

Virtue and Violence. Naive, Ironic, Rationalizing, and Critical Presentations of this Nexus in 18th-Century European Prose

Kategorie

Beitrag

Abstract

Während in der Philosophie bis zu Nietzsche Tugend und Gewalt gemeinhin als antagonistische Gegensätze konzipiert wurden, hat die europäische Literatur des 18. Jahrhunderts bereits komplexe Beziehungen zwischen Tugend und Gewalt erkundet. Am Beispiel von vier Texten (Henry Fieldings Joseph Andrews, Laurence Sternes Sentimental Journey, Jean-Jacques Rousseaus Confessions und Karl Philipp Moritz’ Anton Reiser) werden Manifestationen von individuellem Verhalten untersucht, in denen ein Konzept von Tugend für den Handelnden Gewaltanwendung legitimiert. Die Untersuchung kombiniert narratologische mit psychologischen, rechtsphilosophischen, moralphilosophischen, soziologischen und historischen Überlegungen, um in den Texten verschiedene Verständnisangebote an den Leser zu identifizieren: eine Genese von Gewalt in individueller oder sozialer Pathologie; Konzeptionen des Subjekts als homogen oder heterogen, souverän oder getrieben; eine Evaluierung von Gewalt als Therapie, Herausforderung an dominante Werte und Diskurse, verzeihliche Schwäche, Zerstörung des Subjekts oder Ausdruck unbewusster Probleme. Abschließend werden die diskutierten Konfigurationen von individualpsychologischen und historisch spezifischen sozialen Aspekten hinsichtlich nationaler Differenzen in der Präsentation und Legitimation von Gewalt reflektiert.