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In: KulturPoetik 2003, Heft 2

Autor

David Midgley

Titel

Das ausufernde Gedächtnis
(1) Anselm Haverkamp/Renate Lachmann (Hg.), Memoria. Vergessen und Erinnern. München: Wilhelm Fink 1993 (Poetik und Hermeneutik 15). XXX + 536 S.
(2) Wolfgang Frühwald/Dietmar Peil/Michael Schilling/Peter Strohschneider (Hg.), Erkennen und Erinnern in Kunst und Literatur. Tübingen: Niemeyer 1998. 675 S.
(3) Thomas Wägenbaur (Hg.), The Poetics of Memory. Tübingen: Stauffenburg 1998 (Stauffenburg-Colloquium 45). 408 S.
(4) Aleida Assmann, Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des Gedächtnisses. München: C. H. Beck 1999. 424 S.
(5) Bettina von Jagow (Hg.), Topographie der Erinnerung. Mythos im strukturellen Wandel. Würzburg: Königshausen & Neumann 2000. 260 S.
(6) Harald Welzer (Hg.), Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung, Tradierung. Hamburg: Hamburger Edition 2001. 350 S.

Kategorie

Rezension

Volltext

Wie – und zu welchem Ende – erinnert man sich? Im nicht-deutschsprachigen Ausland neigt man oft dazu, die Verbindung ›Erinnerung und die Deutschen‹ vor einem politischen Hintergrund zu sehen. Das ist nicht ganz verfehlt: Während die Ereignisse, die sich im Laufe der 90er Jahre zum 50. Mal jährten, Anlass zu heftigen Debatten über die angemessene Art der öffentlichen Erinnerung boten, erlebte man im neu/wieder vereinigten Deutschland gleichzeitig, in welchem Maße politische Änderungen eine jähe Revision der öffentlichen Gedächtnispflege mit sich bringen können. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema hat jedoch ältere Wurzeln – wie die hier zu besprechenden Publikationen zeigen. Sofern sie nicht selber schon bei Augustinus oder Platon, bei der Mnemotechnik antiker Rhetoren und der Simonides-Legende anknüpfen, blicken die Autoren auf eine starke zeitgenössische Tradition zurück, die etwa mit Frances Yates’ Studie zur ›ars memoria‹ anhebt und sich mit grundlegenden Arbeiten von Renate Lachmann, Anselm Haverkamp, Jan und Aleida Assmann u.a.m. zur kulturellen Vermittlung von Gedächtnis fortsetzt.(1)

Dass das Thema zu transdisziplinären Forschungsprojekten geradezu einlädt, ist mit der irreduziblen Heterogenität des Phänomens begründet. Wie Aleida Assmann in der Einleitung zu ihrem Buch Erinnerungsräume hervorhebt, ist sowohl die praktische Erfahrung mit dem Gedächtnis als auch dessen theoretische Bearbeitung durch Widersprüchlichkeit gekennzeichnet. Dem unfreiwilligen Erinnern an vergangene Erlebnisse, wie es Marcel Proust maßgeblich beschrieben hat, steht eine Auffassung von Erinnerung als Teilfunktion eines sich jeweils in der Gegenwart vollziehenden Wahrnehmungsprozesses gegenüber, wie sie der Kommunikationswissenschaftler Siegfried J. Schmidt einmal mit dogmatischer Härte vertrat.(2) Dem stark auf persönliche Erlebnisse des Einzelmenschen ausgerichteten Gedächtniskonzept Freuds stellen sich die Argumente des französischen Soziologen Maurice Halbwachs entgegen, für den Vergangenheit erst im mündlichen Austausch von Erfahrungen, also als Gruppenerlebnis entsteht. Das enge Verhältnis zwischen Erinnerung und Phantasie bringt es außerdem mit sich, dass man ständig vor der Möglichkeit der falschen bzw. der überzeugend erfundenen Erinnerung auf der Hut sein muss (was vor wenigen Jahren der Skandal um die Autobiographie des angeblichen KZ-Überlebenden Binjamin Wilkomirski eindrücklich belegte). Dass vergangene Erlebnisse mit kollektiven Mitteln und durch kollektive Anstrengungen vor dem Vergessen bewahrt werden sollen, versteht sich einerseits von selbst; andererseits erweist sich (so Renate Lachmann) selektives Vergessen gerade um der Herausbildung von persönlicher wie auch von kultureller Identität willen als unerlässlich.

Für eine systematische Beschäftigung mit dieser schillernden Thematik hatte Jan Assmann 1988 eine fundamentale Unterscheidung vorgeschlagen: Er trennte zum einen das alltagsnahe, auf persönlicher und sozialer Interaktion beruhende kommunikative Gedächtnis vom eher alltagsfernen, persönliche Kontakte transzendierenden kulturellen Gedächtnis, zum anderen dieses kulturelle Gedächtnis von den mit Fleiß und Disziplin ermittelten historischen Kenntnissen der Wissenschaft.(3) An den vorliegenden Publikationen lässt sich ablesen, welche weit verzweigte Ausdifferenzierung der Konzepte seitdem durchgeführt wurde: Man bemüht sich um die Darstellungsformen des Gedächtnisses und um die Grenzen der Darstellung; da Gedächtnis – wie die Erinnerungsräume von Aleida Assmann, die monumentalen, in der Nachfolge von Pierre Nora konzipierten Erinnerungsorte von Etienne François und Hagen Schulze(4), aber auch schon die alte Mnemotechnik anerkennen – stark auf räumliche Anordnung angewiesen zu sein scheint, erkundet man die Topologie der Zeit und des Raums; und man interessiert sich ganz allgemein für Mittel, Medien und Techniken der Tradierung – zu denen nicht zuletzt auch Mythen und literarische Texte gehören. Der Vielfältigkeit des Phänomens Gedächtnis entspricht so die Vielfalt der intellektuellen Diskurse über Gedächtnis.

 
Anselm Haverkamp/Renate Lachmann (Hg.), Memoria. Vergessen und Erinnern. München: Wilhelm Fink 1993 (Poetik und Hermeneutik 15). XXX + 536 S.

Mit diesem Sammelband wird gewissermaßen die Frühphase in der Behandlung des Themas abgeschlossen. Viele der ehemals kontrovers behandelten Aspekte sind hier bereits zu Gemeinplätzen geworden – es wird konzeptionelle Aufräumungsarbeit geleistet. Etymologie und Genealogie des Begriffs Memoria werden referiert, ebenso die unterschiedliche Memorabilität von gesprochener und geschriebener Sprache. Reinhart Herzog erkundet die »memoriale Mehrstöckigkeit« der Aeneis Vergils; Wolfgang Kemp entwickelt auf der Basis der aristotelischen Psychologie eine Darstellung der diversen Elemente, aus denen sich die mittelalterliche ars memoria in der Form der Bilderzählung zusammenstellt. Jürgen Trabant resümiert geistreich die Überlegungen Giambattista Vicos, mit denen sich eine Wende zur historisch-genetischen Perspektive der Memoria vollzieht, und weist auf die noch offene Grenze zwischen Erinnerung und Imagination bei Vico hin, während Gabriel Motzkin die besondere Tradition der Gedächtnispflege im Katholizismus bespricht. Gerhart von Graevenitz untersucht, wie sich Text und Layout der Bildungspresse des 19. Jahrhunderts sowie deren Beziehungen zur Erzählprosa des Realismus zu einem vielschichtigen Memoria-System gestalten. Anselm Haverkamp nimmt Roland Barthes’ Reflexionen über die Photographie als »Emanation des vergangenen Wirklichen« zum Ausgangspunkt einer Klärung des Verhältnisses zwischen Bild und Schrift als Medien des Erinnerungsprozesses; dabei gelangt er zum Ergebnis, dass zur Markierung dessen, was in der Photographie angedeutet wird (Barthes’ »punctum«), das referenzielle Potential der Schrift erforderlich sei.

Die Grenzen der psychoanalytischen Auffassung von Erinnerung werden in dreifacher Hinsicht deutlich gemacht. Der Romanist Rainer Warning hinterfragt die offizielle Poetik der ›mémoire involontaire‹ bei Proust und weist u. a. auf die Funktion von erotischen Phantasmen im Text von À la recherche du temps perdu hin, die sich mit freudschen Kategorien nicht fassen lassen und deren Wirkung eben nicht vom Erinnern, sondern vom selektiven Vergessen der imaginierten Person abhängt. Gertrud Koch erläutert den Unterschied in den Trauma-Konzepten von Freud und Claude Lanzmann: Während sich für Freud das traumatische Ereignis nur als erinnertes Erlebnis bewusst machen lasse, wolle Lanzmann mit der Interviewtechnik seines Shoah-Films das Erlebte als Ereignis rekonstruieren, wobei er sich eher am Traumaverständnis Jean-Paul Sartres orientiere. Schließlich warnt Cynthia Chase vor dem provisorischen Charakter aller psychoanalytischen Konstruktionen und weist auf die Aporien hin, die sich für eine Theorie der Geschichtsschreibung aus den psychoanalytischen Konzepten der Verdrängung und Übertragung ergeben: Für Freud geht aus der Verdrängung eines früheren psychischen Traumas zwangsläufig die Verleugnung einer späteren Einsicht hervor, bei Lacan kehrt derselbe Gedanke in der Vorstellung der »symbolischen Verwerfung« wieder. Besonders Freuds grundsätzliche Trennung von Bewusstsein und Erinnerung, die u. a. Walter Benjamin zu einer Grundhypothese seiner Geschichtstheorie gemacht hat, erscheint im Lichte von Chases Analyse suspekt. Dass Benjamins Reflexionen über Geschichte als das Produkt heuristischer Aktivität dennoch von weit tragender Bedeutung bleiben, zeigt der Beitrag von Stéfane Moses, der den politischen, theologischen und ethischen Bezügen von Benjamins Begriff des ›Eingedenkens‹ als Reaktualisierung von Vergangenheit in der je gegenwärtigen Erfahrung nachsinnt.

Weitere Beiträge befassen sich mit der Selbstrepräsentation in der Lyrik, mit dem romantischen Erinnerungskonzept bei Wordsworth und dem Zusammenhang zwischen Schriftkultur und der Erinnerungskultur des Selbst, zu dem sich Ansätze schon in Chaucers Tale of the Wife of Bath finden lassen sollen. Das dialektische Verhältnis zwischen Erinnerung und Vergessen kehrt als Leitmotiv des Bandes immer wieder. Hier ist von Vergessen als grundsätzlicher Voraussetzung zum Vorgang der Erinnerung die Rede, dort von der Paradoxie, dass man sich unter Umständen sogar an das Vergessen erinnern kann (worauf schon Augustinus hinwies). Das enge Verhältnis, in dem die literarische Moderne zur Psychoanalyse steht, demonstriert Gerhard Neumann, indem er an Gedichten von Brecht und C.F. Meyer sowie an Hofmannsthals Prosatext Die Wege und die Begegnungen den Aspekt der Erinnerung des Vergessens – und des Erinnerten als Vergessenes – herausarbeitet. Allerdings begegnet Erinnerung als Erfahrung der Unverfügbarkeit des eigenen Gewesen- und Gewordenseins bereits in den Werken Chrétiens de Troyes (Karlheinz Stierle). Beim Gegenwartspoeten Yves Bonnefoy steht Erinnerung im Dienste der Evozierung von Vergänglichkeit und Erneuerung; bei Proust bedarf es des Vergessens, um der erotischen Imagination freien Lauf zu lassen; an den Schriften von Claude Lévi-Strauss wird die je eigene Architektur von Erinnerung und Vergessen dargestellt. Das letzte Wort hat Renate Lachmann, die Jorge Luis Borges’ Erzählung Funes el memorioso mit der klassischen Beschreibung eines klinischen Falls durch den russischen Psychiater A.R. Luria vergleicht, um zu zeigen, wieso ein überbordendes Gedächtnis jede sinnvolle Existenz, wenn nicht gar das Leben selbst bedroht.

 
Wolfgang Frühwald/Dietmar Peil/Michael Schilling/Peter Strohschneider (Hg.), Erkennen und Erinnern in Kunst und Literatur. Tübingen: Niemeyer 1998. 675 S.

In diesem Band, der die Beiträge eines 1996 in Reisensburg veranstalteten Kolloquiums enthält, überwiegt eine eher traditionelle Art der literaturwissenschaftlichen Gedächtnispflege. Bei einigen Beiträgen steht nicht das Thema ›Erinnerung‹ im Zentrum, sondern andere Aspekte der kulturellen Überlieferung. Mit Ausführungen zur ›unio mystica‹ oder zur ›Höfischen Liebe‹ werden z.B. beachtliche Beiträge zur Begriffsgeschichte geliefert; neben Anmerkungen zur historischen Wandlung der Etymologie werden auch Themen wie das mittelalterliche Verständnis von Fiktion und Ironie, die Naturdeutung bei Novalis und Immermann sowie die Rhetorik Richard Wagners behandelt.

Die meisten Beiträge nehmen aber zumindest Bezug auf die laufende Diskussion über Erinnerung, und mehrere weisen direkt oder indirekt auf die Konstruktion und Vermittlung von kultureller Erinnerung als einer vorrangigen Funktion des literarischen Textes hin. Die Beispiele reichen von jenem Phänomen der »memorialen Mehrstöckigkeit«, das Reinhart Herzog bei Vergil untersucht hat (und das sich ebenfalls bei Heinrich von Veldekes Behandlung des Eneasstoffes nachweisen lässt), bis zur radikalen Problematisierung des Verhältnisses zwischen Erinnerung und Fiktionalisierung in Salman Rushdies Roman Midnight’s Children. Als Paradebeispiel für die wissenschaftliche Aufdeckung der spezifischen Effekte literarischer Gedächtnisverwaltung dürfte aber die Analyse von Gottfrieds Tristan und Isolde gelten, wie sie Daniel Rocher hier vorführt. In diesem Text wird nicht nur dem legendären Liebespaar ein Denkmal gesetzt, sondern durch die Aufnahme von Motiven aus älteren Leichen sowie aus Ovids Dichtungen auch eine reiche Tradition literarischer Denkmalsetzung in Erinnerung gerufen. Die Anführung älterer ›monumentia amoris‹ dient laut Rocher dazu, »die Möglichkeit von Wahrheitsenthüllung und -verhüllung, von Ernst und Spaß, von rechtem und unrechtem Gebrauch der Kunst zu demonstrieren«. Neben dem Zweck der Unterhaltung trage der Text in besonders hohem Maße zur Tradierung kultureller Werte bei, indem er es den »edlen Herzen […], die wohl selbst auch die Ängste und Qualen der Liebe aus eigener Erfahrung kennen«, ermögliche, »die legenda richtiger [zu] lesen« (S. 180).

Auf noch zu lösende Aufgaben stößt man allerdings, wenn man nach dem Verhältnis zwischen Texten und anderen Formen kulturellen Ausdrucks fragt. In einzelnen Beiträgen werden sowohl das adelige Stammbuch als auch das barocke Musiktheater als Speichermedien eigener Art und mit je eigenen Grenzen betrachtet; die gedächtnistragende Funktion der Emblematik erweist sich als mehrdeutig, nicht zuletzt wegen des Aspektes von intellektuellem Spiel, der sich an der jeweiligen Zusammenstellung von Bild und Text ablesen lässt; man ahnt eine Verbindung zwischen der Motivik von Grimmelshausens Simplicissimus Teutsch und der Ikonographie der zeitgenössischen Bildpublizistik, ohne freilich die genauen Beziehungen auf den Nenner bringen zu können. Manchmal liegen die Beziehungen immerhin greifbar nahe: Gerhard Neumann erhellt die Anklänge in Heines Erzählung Der Rabbi von Bacharach an die rituelle Bedeutung des Pessachmahls einerseits sowie an die aktuelle politische Situation der Juden in Deutschland andererseits (wobei er ›Gedächtnis‹ allzu einfach mit ›Ritual‹ – ›urbane Zivilisation‹ hingegen mit ›Verdrängung‹ – gleichsetzt und zur Erläuterung der kulturellen Vermittlung nur die recht vage, bei Stephen Greenblatt entliehene Vorstellung einer »Zirkulation sozialer Energie« anbietet). Franz Josef Worstbrock weist auf die große Änderung in der Form des historischen Gedächtnisses hin, die offenbar zwischen Petrarca im 14. Jahrhundert und dem Epigrammsammler Hartmut Schedel im 15. Jahrhundert stattfindet: Ersterer begnügte sich noch mit der räumlichen Anordnung der Ruinen Roms, um sich die Geschichte der Stadt gleichsam als Stationenbild vorzustellen; Letzterer legte mit der Sammlung und Deutung der erhaltenen Inschriften den Grundstein zur modernen Geschichtsforschung. Auf einen ähnlich tiefgreifenden historischen Wandel verweist Jan-Dirk Müller: Die Buchdruckerkunst der frühen Neuzeit hat die Grundlage für eine Abspaltung des Wissensspeicherns von den sinnstiftenden Funktionen des kulturellen Gedächtnisses geschaffen; allerdings gibt Johannes Fischarts noch vor Ende des 16. Jhs. erschienene Parodie Catalogus Catalogorum perpetuo durabilis die enzyklopädischen Ansprüche der Renaissance-Gelehrten dem Gelächter preis und proklamiert so das Vorrecht der menschlichen Urteilskraft gegenüber dem bloßen Datensammeln.

 
Thomas Wägenbaur (Hg.), The Poetics of Memory. Tübingen: Stauffenburg 1998 (Stauffenburg-Colloquium 45). 408 S.

Dieser Kolloquiumsband steht in fast diametralen Gegensatz zum vorangehenden. Hier melden sich vorwiegend jüngere, zum Teil vom Geist der Postmoderne ergriffene Autoren zu Wort. Wer von Thomas Wägenbaurs Einleitung die Darstellung irgendeiner Poetik erwartet, wird enttäuscht; man erlebt vielmehr die Auffaserung der konkreten Problematik zu einem lockeren Geflecht theoretischer Gedankenfäden. Es wird auf Ergebnisse der Hirnforschung hingewiesen – aber schon die Möglichkeit, dass Menschen aus der Beobachtung der eigenen geistigen Regungen etwas lernen könnten, wird zum unlösbaren Paradox erklärt; Aufschreibemittel werden als wesentliche historische Faktoren anerkannt – aber jedes Interesse für Literatur als ein vorrangiges Medium der Erinnerung wird als »elitär« verworfen. So werden literarische Texte nur insofern berücksichtigt, als sie zur Veranschaulichung des Prinzips ›Selbstreferenz‹ taugen. Das Problem Gedächtnis wird hier nämlich auf einen Systembegriff reduziert – und Systeme haben allemal »autopoetisch« zu sein. Für die Frage, woran man sich zu erinnern hat und wozu, zeigt Wägenbaur kein spürbares Interesse.

Der Leser sollte sich jedoch von dieser Einleitung nicht abschrecken lassen, denn im Band stößt man durchaus auf Beiträge, die zeigen, wieso für das Verständnis menschlicher Gedächtnisfunktionen das Erzählen ein tauglicheres Modell bietet als der Computer (Martin Klebes), wieso die »senseless because simultaneous totality of mythical historical knowledge«, die einem potentiell im Hypertext begegnet, geradezu nach erzählerischer Ordnung verlangt (Wolfram Malte Fues), und wieso Literatur als Speichersystem das mechanische Gedächtnismodell übertrifft, indem sie dem im Hypertext drohenden Verlust an Intertextualität entgegenarbeitet (Peter Matussek).

Auch sonst enthält der Band – neben Thesen zum Entschwinden der Referenzialität bei Beckett und Musil und kryptischen Äußerungen zur kryptischen Beschaffenheit von Sprache – einzelne Beiträge, die Aspekte der Gedächtnisproblematik in wertvoller Weise beleuchten. In epistemologischer Hinsicht erfährt man z. B. von Annegret Pelz, in welchem Maße das sich historisch wandelnde Bild Europas von ›Imagines‹ geprägt wurde. Herrad Heselhaus bringt die Heidebilder der Annette von Droste-Hülshoff in Zusammenhang mit der Einsicht Immanuel Kants (in der Anthropologie), dass mit der Erweiterung der wissenschaftlichen Erkenntnisse das Naturbild des Menschen zunehmend einer Bibliothek gleiche – wobei vermutlich erst eine eingehende Analyse von einzelnen Gedichten gezeigt hätte, in welchem genauen Sinne der behauptete historische Übergang von der Naturgeschichte zur Poetisierung tatsächlich stattgefunden hat.

Als eigentliche Beiträge zur Gedächtnispoetik sind mehrere Artikel erwähnenswert: Andreas Anglet verdeutlicht den Prozess, durch den alles, was in Rilkes Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge »aufsteigt« – von der Familiengeschichte bis zum legendären grausamen Ende von mittelalterlichen Königen – zu mythopoetischer Erzählung verarbeitet wird; Rekha Kamath untersucht die Konstruktion von nationaler Identität anhand des Romans In an Antique Land von Amitav Ghosh; Emilia Ippolito bespricht die Rolle des Erzählmediums bei der Bildung und Umbildung von kultureller Identität in Toni Morrisons Beloved; und Irene Albers analysiert das Verhältnis zwischen traumatischem Erinnern und der indexikalischen Qualität von Bildern in den Erzählwerken Claude Simons. Hinzu kommen auch Fragestellungen mit eindeutig ethischem Inhalt: Michael Bell kontrastiert Gedichte von Yeats, bei dem affektive Erinnerung ein offenkundiges moralisches Erkenntnispotential besitzt, mit den Cantos Ezra Pounds, denen ein solches Potential abgeht; Markus Trabusch evoziert bei seiner Besprechung der Autobiographien von Ludwig Marcuse und Hans Sahl das judaische Prinzip ›Zakhor‹ (hier werden die Namen von Zeit- und Leidensgenossen genannt, um sie der Vergessenheit zu entreißen und ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen). Am beeindruckendsten ist wohl der Beitrag von Susanne Göße, die durch eine erschöpfende Analyse eines Gedichtes von Zhong Ming die Abwehr ideologischer Vereinnahmung (und damit des Gedächtnisschwundes) in der chinesischen Literatur der Gegenwart erläutert. Außerdem weist sie auf die genaue technische Bedeutung des »virtual memory« als erweitertes Speicherpotential hin, um europäischen Lesern den Sinn des chinesischen Begriffes ›xu‹ (Leere) näher zu bringen.

Zur editorischen Betreuung des Bandes sei noch angemerkt: Es gerät den Beiträgen nicht immer zum Vorteil, dass sie durchweg auf Englisch veröffentlicht wurden; einigen wäre mit sorgfältigeren redaktionellen Eingriffen gut gedient gewesen.

 
Aleida Assmann, Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des Gedächtnisses. München: C. H. Beck 1999. 424 S.

Ein eindeutiger Vorzug dieser Monographie liegt darin, dass hier jemand, der die einschlägigen Debatten über viele Jahre hin verfolgt hat, die Problematik systematisch aufarbeitet. Ein weiterer ist die Luzidität, mit der Assmann Sachverhalte erklärt, die sonst eher sporadisch, den Erfordernissen der jeweiligen Fragestellung folgend, analysiert werden. Die Autorin unterscheidet etwa grundsätzlich zwischen dem Speichern von Informationen, bei dem es auf die exakte Übereinstimmung von ›input‹ und ›output‹ ankommt, und der »identitätsstiftenden Erinnerung«, die auf Differenz beruht und bei der das Vergessen als Komplize mitwirkt. Erstere kann man sich als Mnemotechnik, in welcher Form auch immer, beibringen bzw. sie von Archiven und Maschinen bewerkstelligen lassen; Letztere geschieht einem als rekonstruktiver Wahrnehmungsakt von der Gegenwart aus: »Korrekter wäre es wohl zu sagen, dass einen etwas erinnert, dessen man sich erst nachträglich bewusst wird« (S. 29).

 Der erste Teil des Buches ist deshalb auf die begriffliche Klärung der Funktionen von Erinnerung fokussiert: von der antiken Totenmemoria bis hin zur romantischen Poesie, wo der ekstatischen Wiedererkennung vergangener Erlebnisse erst eine therapeutische Wirkung zugeschrieben wird. In dem Kapitel »Wordsworth und die Wunde der Zeit« (das bereits in dem von Anselm Haverkamp und Renate Lachmann herausgegebenen Band Memoria erschienen war) arbeitet Assmann den Charakter der romantischen Vorstellung einer heilsamen Anamnese als »passive Rückseite der aktiven männlichen Imagination« heraus. Durch diese Aufwertung der persönlichen Erinnerung entsteht historisch aber auch eine – in erster Linie von Dichtern und Historikern geleisteten – kulturelle Aufgabe, nämlich die ehemals durch die Gedächtniskultur vermittelte Kontinuität immer wieder neu zu bestimmen; dazu ist ein differenzierendes Funktionsgedächtnis von Nöten, das im Stande ist, jenen kulturellen Sinn herzustellen, der dem Speichergedächtnis abgeht.

Wenn in Assmanns Schlusswort von einer »Krise des kulturellen Gedächtnisses« die Rede ist, so ist das als Hinweis auf die – durch digitale Technik geförderte – Überflutung der menschlichen Wahrnehmungskapazität mit Bildern und Informationen zu verstehen sowie auf die daraus folgende Gefährdung des aktiven, bewertenden Erinnerns. Vom Standpunkt des digitalen Zeitalters aus wird aber auch die Geschichtlichkeit älterer Formen des Speichergedächtnisses sichtbar. Im seitenstärksten Teil ihres Buches unterzieht Assmann die Medien der Erinnerung einer genauen Überprüfung. Neben Schrift und Bild, Sammlungen und Gedenkorten, bespricht sie hier auch den Körper bzw. die Verinnerlichung körperlicher Erlebnisse als Gedächtnismedium, wie sie Nietzsche in Zur Genealogie der Moral einprägsam beschrieben hat. Außerdem analysiert sie die Debatten über traumatische Erlebnisse, die sich der Überführung in ein symbolisches Medium, und damit dem Erinnerungsprozess widersetzen. Dabei geht sie scharf mit Jean-François Lyotard ins Gericht, weil dieser mit seinem über die freudsche Verdrängung hinausgehende Traumakonzept »dem westlichen Geist das Trauma als eine kollektive Bezugsform zum kollektiven Verbrechen des Holocaust« empfehle und damit »den Inbegriff dessen, was einem in einem Akt äußerster Entmächtigung zustößt, zu einer Option« mache (S. 262). Die problematische Seite der speichernden Erinnerung legt Assmann offen, wenn sie, unter Hinweis auf Argumente von Derrida und Foucault, die ›Archivierung‹ als Instrument der politischen Kontrolle darstellt. Sie macht aber gleichzeitig auf Elemente der kulturellen Gegenwehr aufmerksam: Spuren vergangenen Lebens suchen Künstler der Gegenwart in vom menschlichen Gebrauch gezeichneten Objekten – im Müll (wie der russische Künstler Ilya Kabakov) oder in den in Yad Vashem gesammelten, von Holocaustopfern hinterlassenen Gebrauchsgegenständen (die die israelische Photographin Naomi Tereza Salmon unter dem Titel Asservate vereinzelt, und damit ihrem Massenschicksal entrissen, zur Schau stellt). Schließlich werden Bücher zu einer Zeit, wo sie als Gedächtnishorte an gesellschaftlicher Bedeutung verlieren, von Anselm Kiefer überdimensional in Blei gestaltet und unter dem Titel Zweistromland ausgestellt. Ob man das als Hinweis auf die Druckertechnik oder aber auf das historische Schicksal des mit dem Schrifttum verbundenen Zivilisierungsprozesses versteht – Kunst übernimmt auf solche Weise die Aufgabe, an die Geschichte der menschlichen Erinnerungsformen zu erinnern. Überhaupt dienen technische Aufzeichnungssysteme (neben ihrer offenkundigen Funktion als Medien der Erinnerung) als Quellen der Metaphorik, durch welche Erinnerungsprozesse je nach Stand der Technik begreifbar beschrieben werden. Das kulturelle Gedächtnis, so ließe sich Assmanns Grundeinsicht vielleicht zusammenfassen, geht nicht in den Medien auf; vielmehr ermöglicht das jeweilige Einzelmedium einen je eigenen Zugang zum kulturellen Gedächtnis, den es in seinem Eigenwert zu erkennen gilt.

 
Bettina von Jagow (Hg.), Topographie der Erinnerung. Mythos im strukturellen Wandel. Würzburg: Königshausen & Neumann 2000. 260 S.

Die beiden letzten der hier zu besprechenden Bänden beschreiten den von Assmann vorgezeichneten Forschungsweg auf je eigene Weise. Die Promotionsstipendiatinnen und -stipendiaten, deren Beiträge in dem von Bettina von Jagow herausgegebenen Band vorgelegt werden, haben sich den Mythos als Träger kultureller Erinnerung zum Forschungsgegenstand gewählt. Dabei arbeiten sie zum Teil der Vereinnahmung beider Begriffe – ›Mythos‹ wie ›Erinnerung‹ – durch die Medien der Gegenwart entgegen.

Die Anordnung der Beiträge verdeutlicht, wie sie sich thematisch wechselseitig ergänzen: Florian Steger nimmt das bekannte Symbol des Asklepiosstabes zum Ausgangspunkt, um die Hintergründe der Arzt-Figur und die Tradierung der mit ihr verbundenen Vorstellungen zu erläutern; Brigitte Sölch bespricht anhand der Universalgeschichte (1697) von Francesco Bianchini das mythische Potential, das zu Bianchinis Zeit in solchen auf die Antike zurückblickenden Wissensspeichern gesehen wurde. Frithjof Benjamin Schenk untersucht die identitätsstiftende Rolle, die der Alexander-Nevskij-Mythos in der Herausbildung eines russischen Nationalbewusstseins gespielt hat; Stefan Metzger deutet das Programm einer ›Neuen Mythologie‹, wie es sich in den Schriften von Lessing, Hamann und Herder vorfindet, als Ansatz zu einer Kultursemiotik. In postkolonialer Perspektive werden zweierlei Mythen aus dem außereuropäischen Raum dargestellt: Susanne Gehrmann beleuchtet den Jeanne-d’Arc-Mythos, wie er in den Schriften zweier frankophoner afrikanischer Autoren vorkommt, und Anne-Julia Zwierlein geht den kulturellen Überlagerungen in Derek Walcotts Epos Omeros nach. Im europäischen Kontext werden die Todesrepräsentationen im 19. Jahrhundert. (Thomas Stöber), historische Erinnerung bei Johannes Bobrowski (Andreas Degen) und Mythisierungsprozesse bzw. Transferierungsmoden des Mythos in Joyces Ulysses (Bernd Blaschke) dargestellt. Der politischen Dimension des Mythos bei den alten Griechen nähert sich Dirk Lüddecke mit Hilfe von Ernst Cassirers Theorie ›symbolischer Formen‹; Günter Sautter orientiert sich bei seiner Analyse von modernen politischen Aufsätzen an Niklas Luhmanns Begriff der ›Ideenevolution‹. Abgeschlossen wird der Band mit zwei Beiträgen zum Mythos im jüdischen Kontext: Axel Schmitt bespricht die neuen Einstellungen zum messianischen Denken, die um 1900 hervortreten und sich an den Kafka-Deutungen von Walter Benjamin und Gershom Scholem darstellen lassen; Bettina von Jagow knüpft an das Mythoskonzept Hans Blumenbergs an, um das Aufkommen des Mythos an der Grenze rationaler Darstellbarkeit im Roman eines Schicksallosen von Imre Kertész und in Roberto Begninis Film La vita è bella zu beschreiben.

 
Harald Welzer (Hg.), Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung, Tradierung. Hamburg: Hamburger Edition 2001. 350 S.

Der Schwerpunkt dieses Bandes (der auch Beiträge einiger bereits erwähnter Autoren enthält, liegt bei der Zeitgeschichte. Neben dem Bericht des Herausgebers Harald Welzer zu einer von ihm geleiteten Studie über die Tradierung von Geschichtsbewusstsein in der deutschen Gesellschaft der Gegenwart wird die Einwirkung von historischer Erinnerung bei den Sozialisationsprozessen von Jugendlichen in Israel und Nordirland, in Kanada und den USA (wo das von Hollywood-Filmen geprägte Geschichtsbild mit dem offiziellen Geschichtsunterricht stark konkurriert) dargestellt. Für die auf Deutschland bezogenen Beiträge beschreibt der Historiker Jörn Rüsen sehr klar die Aufarbeitung des Holocaust und deren Bedeutung für die Identität der Nachkriegsdeutschen (wobei die Charakterisierung der an den politischen Wendepunkten 1968 und 1989 orientierten Hauptphasen wenig überrascht). Es liegt auch im Wesen der Thematik, dass die wissenschaftliche Analyse in einigen Fällen leicht in Reflexionen über die eigene Erfahrung übergeht. Dass bei der therapeutischen Arbeit mit Holocaust-Überlebenden, die Dori Laub beschreibt, ein von Patient und Therapeut geteiltes Wissen um den Schrecken förderlich wirken kann, versteht sich von selbst. Aber auch der Psychologe Mark Freeman nimmt eine persönliche Erfahrung – seine erste Begegnung mit Berlin – zur Grundlage für das Nachdenken über die Beziehungen, in denen der Einzelne mit den Erfahrungen seiner Kulturgemeinschaft steht und die ihm erst durch bestimmte Anlässe zum Bewusstsein kommen.

Das methodologisch Interessante an dem Band liegt wohl darin, dass die meisten Autoren sich gezwungen sehen, auf das Ineinanderwirken der Faktoren einzugehen, durch das Erinnerung gebildet und kommuniziert wird. Die in früheren Publikationen getroffenen begrifflichen Unterscheidungen bleiben als Hilfskonstruktionen wertvoll, aber die Forschung beschäftigt sich zunehmend mit den fließenden Übergängen zwischen ihnen und den komplementären Verhältnissen, in denen sie zueinander stehen. Harald Welzer weist darauf hin, dass sich auf interpersoneller Ebene emotional beladene Erinnerungen von Einzelnen mit gemeinsam entwickelten Einstellungen zur Vergangenheit mischen. Der Hirnforscher Hans J. Markowitsch muss die Frage offen lassen, ob bei der emotionalen Besetzung von Erinnerungen neuronale oder psychische Faktoren dominieren. Jan Assmann berichtet von den Ausdrucksmitteln, durch die sich Geschichtsbewusstsein auch in Kulturen des Alten Orients artikulieren konnte, die keine Geschichtsschreibung kannten. Der amerikanische Historiker James Young bezweifelt, ob man Gedächtnis und Geschichte überhaupt sinnvoll trennen kann. Aleida Assmann bespricht die Komplementarität von Festhalten und Erneuern, die notwendig ist, damit Erinnerungen vor der Verfestigung und Stereotypisierung gerettet werden können. Die Kulturwissenschaftlerin Gertrud Koch erklärt, wieso Impulse der Traumatheorie mit Tendenzen der Massenkultur zusammenwirken, um eine Fixierung auf die visuelle Aufzeichnung von Holocausterinnerungen zu generieren, die höchstens die Illusion authentischer Augenzeugenberichte erschaffen kann. Für Angela Keppler schließlich, die in ihrem Buch Tischgespräche (Frankfurt/M. 1994) der Entwicklung von Einstellungen zur Vergangenheit im Familienraum empirisch nachgegangen ist, wird Jan Assmanns saubere Trennung von kommunikativem und kulturellem Gedächtnis insofern problematisch, als das kommunikative Gedächtnis sich keineswegs ausschließlich auf der Ebene der alltäglichen Kommunikation bewegt und außerdem offenbar das Seine zur Herausbildung des kulturellen Gedächtnisses beiträgt.

Der Band bietet somit einen guten Einblick in die transdisziplinären Dimensionen, in denen sich das Interesse für das Thema Gedächtnis in den letzten Jahren ausgebreitet hat. Anselm Haverkamp, der hier mit einem Beitrag über die Handlung von Shakespeares Hamlet als einem dem Vergessen entrissenen Geschehens vertreten ist, verkneift sich in jenem Zusammenhang die Bemerkung nicht, dass die aktuelle Vorliebe für das »kulturelle Gedächtnis« dieses in ein »Schlagwort für die gesamten Kulturwissenschaften verwandelt« habe, was »das Ende des humanistischen Verständnisses von Geschichte« markiere. Wie dem auch sei – jedenfalls dürfte für die an hermeneutischer Erkundung interessierte Beschäftigung mit dem Thema ›Gedächtnis‹ der Satz, mit dem Haverkamp sein Vorwort zu dem 1993 von ihm und Renate Lachmann herausgegebenen Band beendet, weiterhin als ermutigend und prägend empfunden werden:

Texte als kulturelle Gedächtnisse, aber auch die nach ihnen modellierten kulturellen Denkmäler und ihre Gedächtnisstile geben Anlaß zu einer semiotischen Heuristik, unter deren Prinzipien die Poetik ein eher übergreifendes als ein untergeordnetes oder marginales Interesse beansprucht, so daß ihre »Löschung« weniger denn je zur Debatte steht.(5)

Dr. David Midgley, St John's College, Cambridge CB2 1TP, Great Britain; E-Mail: drm7@joh.cam.ac.uk

    
 
Anmerkungen

(1) Frances A. Yates, The Art of Memory. London 1966; dt.: Gedächtnis und Erinnern. Mnemonik von Aristoteles bis Shakespeare. Weinheim 1990, Berlin 6. Aufl. 2001; Jan Assmann/Tonio Hölscher (Hg.), Kultur und Gedächtnis. Frankfurt/M. 1988; Renate Lachmann, Gedächtnis und Literatur. Intertextualität in der russischen Moderne. Frankfurt/M. 1990; Anselm Haverkamp/Renate Lachmann (Hg.), Gedächtniskunst. Raum – Bild – Schrift. Studien zur Mnemotechnik. Frankfurt/M. 1991; Aleida Assmann/Dietrich Harth (Hg.), Mnemosyne. Formen und Funktionen der kulturellen Erinnerung. Frankfurt/M. 1991; Jan Assmann, Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München 1992. [zurück]

(2) Siegfried J. Schmidt, Gedächtnis – Erzählen – Identität. In: Assmann/Harth (Anm. 1), S. 378-97. [zurück]

(3) Jan Assmann, Kollektives Gedächtnis und kulturelle Identität. In: Assmann/Hölscher (Anm. 1) S. 9-19. [zurück]

(4) Etienne François/Hagen Schulze (Hg.), Deutsche Erinnerungsorte. 3 Bde. München 2001. [zurück]

(5) Haverkamp/Lachmann (Anm. 1), S. XVI. [zurück]