Detailansicht

In: KulturPoetik 2002, Heft 2

Autor

Bertrand Westphal

Titel

Le Spectre d’Ulysse ou les aléas du référent

Kategorie

Beitrag

Abstract

Der Strukturalismus hat den Begriff der Referenz weitgehend aus der Literatur ausgeklammert. Da nichts außerhalb des Textes sein durfte, wurde jeglicher Hinweis darauf zur (referentiellen) Täuschung erklärt. Seit den 80er und verstärkt seit den 90er Jahren hat sich dies verändert. Nach einem knappen Überblick über diese neuen Theorien der Referenz wird in diachroner Perspektive untersucht, wieso die Geographie einst Kosmographie war und die Form der Welt mit Hilfe eines Wahrscheinlichkeitsprinzips zu erzählen versuchte: Einst ging die Literatur der außersprachlichen Wirklichkeit voraus und gestaltete sie. Kann aber noch heute richtig sein, was zu Homers Zeiten galt? Durchaus – wenn man eine zu enge Vorstellung vom Verhältnis Wirklichkeit/Einbildung überwindet und davon ausgeht, dass ein Realitätselement gleichsam imaginär aufgefasst und verstanden werden kann. Während allerdings Homer mit seiner Imagination die Leere bekämpfte, ist heutzutage der Schriftsteller mit der Überfülle konfrontiert. Was aber, wenn das Noch-Leere Homers und das Saturierte der postmodernen Welt einem gemeinsamen Prinzip gehorchten?