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In: KulturPoetik 2007, Heft 1

Autor

Julia Mansour

Titel

Stärken und Probleme einer kognitiven Literaturwissenschaft
(1) Patrick Colm Hogan, Cognitive Science, Literature, and the Arts. A Guide for Humanists. New York, London: Routledge 2003. 244 S.
(2) David Herman (Hg.), Narrative Theory and the Cognitive Sciences. Stanford: CSLI Publications 2003. 363 S.
(3) Lisa Zunshine, Why We Read Fiction. Theory of Mind and the Novel. Columbus: The Ohio State University Press 2006. 198 S.
(4) Marisa Bortolussi/Peter Dixon, Psychonarratology. Foundations for the Empirical Study of Literary Response. Cambridge: Cambridge University Press 2002. 318 S.

Kategorie

Rezension

Volltext

Dass die menschlichen Tätigkeiten des Lesens und des Schreibens von Literatur wie alle anderen menschlichen Tätigkeiten auf der Funktionsweise menschlicher Gehirne bzw. des menschlichen Geistes beruhen, ist in einem trivialen Sinne wahr. Insofern können die die Tätigkeit des Schreibens und Lesens fundierenden neurophysiologischen bzw. mentalen Vorgänge grundsätzlich in den Gegenstandsbereich der Kognitionswissenschaft fallen – eines sich seit den 1970er Jahren formierenden Disziplinenclusters, das Bereiche der Psychologie, Linguistik, Informatik, Neurobiologie und weiterer Fächer umfasst. Wie sich jedoch die Gegenstandsbereiche der Kognitionswissenschaft und der Literaturwissenschaft überschneiden, ist nicht prima facie zu beantworten. Erschwert wird die Bestimmung der Relation zwischen den beiden Wissenschaftsbereichen auch dadurch, dass die Kognitionswissenschaft eine Metawissenschaft ist, die nicht nur das Lesen und Schreiben von Literatur, sondern auch die Literaturwissenschaft selbst – als in der Funktionsweise des menschlichen Geistes bzw. Gehirns fundierte Tätigkeit – in ihren Objektbereich einbeziehen kann.

Die Frage, was eine kognitive Literaturwissenschaft (›Cognitive Literary Studies‹, ›Cognitive Literary Criticism‹ bzw. ›Cognitive Poetics‹)(1) sei, beantwortet Alan Richardson, einer ihrer Pioniere im anglo-amerikanischen Raum, folgendermaßen: »Perhaps the most accurate definition of cognitive literary studies [...] would be the work of literary critics and theorists vitally interested in cognitive science and neuroscience«.(2) Erklärtes Ziel der sich derzeit hauptsächlich aus US-amerikanischen ›English Departments‹ rekrutierenden(3) ›Cognitive Literary Studies‹ ist es, nicht nur Konzepte und Annahmen aus der Kognitionswissenschaft für die eigenen literaturwissenschaftlichen Arbeiten fruchtbar zu machen, sondern auch auf verschiedene Bereiche der (vornehmlich) empirischen Kognitionswissenschaft zurückzuwirken. Die Beschränkung vieler kognitionspsychologischer oder -linguistischer Studien auf die Erfassung und Verarbeitung kurzer, sehr einfacher und auf empirische Versuche hin entworfener Texte wird von den ›Cognitive Literary Studies‹ als unzureichend empfunden. Umgekehrt erscheinen in der Perspektive des hauptsächlich im ›Lab‹ arbeitenden Kognitionswissenschaftlers die kognitiven Literaturwissenschaftler als spekulationsfreudige ›armchair-philosophers‹, die ihre weit reichenden Hypothesen nicht operationalisierbar machen und sich empirischen Überprüfungen größtenteils entziehen. Ob das Ideal einer interdependenten Interdisziplinarität, von der empirische Kognitionswissenschaftler und kognitive Literaturwissenschaftler gleichermaßen profitieren, sich verwirklichen lässt, ist umstritten.(4)

Doch was genau heißt ›profitieren‹ bzw. ›Bereicherung‹? Die Debatte(5) um den Erkenntnisgewinn und Innovationswert einer interdisziplinären ›Begegnung‹ zwischen Literaturwissenschaft und Kognitionswissenschaft, die auf die Sonderausgabe von Poetics Today(6) folgte, ist als nicht abgeschlossen anzusehen; es stehen nach wie vor methodologische Arbeiten aus, die den möglichen Erkenntnisforschritt durch die ›Cognitive Literary Studies‹ kritisch und fair evaluieren. Eine solche Evaluation hätte Folgendes in Augenschein zu nehmen:

(i) das Verhältnis von Grundannahmen (G1=Annahmen über menschliche kognitive Fähigkeiten und Prozesse; G2=Annahmen über die Evolution derselben) und Folgeannahmen (insbesondere F1=Annahmen über die für die Genese bzw. Rezeption von Literatur relevanten menschlichen kognitiven Fähigkeiten und Prozesse und F2=Annahmen über (literarische) Artefakte).

(ii) die Fundierung der in F2 gebrauchten Terminologie durch Annahmen aus G1 und G2. Die kognitive Literaturwissenschaft strebt bei dieser Fundierung zweierlei an: Zum einen will sie eine Interpretationssprache entwickeln, die die beim Lesen und Schreiben von Literatur ablaufenden kognitiven Prozesse voraussetzt; zweitens soll die Terminologie ermöglichen, präziser über mentale Zustände der Figuren in der dargestellten Welt (»Fictional Minds«) sprechen zu können.

(iii) die ausgehend von G1, G2 und F1 entwickelten Metatheorien (Interpretationstheorie; Wissenschaftstheorie) der kognitiven Literaturwissenschaft.
 

Patrick Colm Hogan, Cognitive Science, Literature, and the Arts. A Guide for Humanists, New York, London: Routledge 2003. 244 S.

Patrick Colm Hogans Monographie Cognitive Science, Literature, and the Arts. A Guide for Humanists möchte all denjenigen Orientierungshilfe anbieten, die die Einarbeitung in das weite Feld der ›Cognitive Literary Studies‹ anstreben: »The purpose of this book is to provide adequate background for readers to participate in and contribute to a research program in cognitive science and the arts, either individually or collaboratively« (S. 3). Erwarten darf man von einem so konzipierten ›Guide‹ durch das Feld der ›Cognitive Literary Studies‹, dass er erstens die Vielfalt und Reichhaltigkeit der existenten Forschungsfelder und -ansätze aufzeigt, diese zweitens systematisiert, drittens den Leser metaperspektivisch auf methodologische Problematiken aufmerksam macht und viertens dem Leser ein gutes bibliographisches Rüstzeug an die Hand gibt. Der Guide for Humanists entwickelt seine Stärke vor allem in Hinblick auf ersteres: ein vielfältiges Angebot an Fragestellungen wird in acht Kapiteln präsentiert, von denen jedes einzelne den Stoff für eine ganze Monographie ergäbe (u.a. in Kap. II: Was ist Kreativität?; in Kap. VI, VII: Warum zeigen Menschen Emotionen für fiktionale Charaktere?; in Kap. VIII: Was sind die Schwächen evolutionspsychologischer Ansätze?). Dabei setzt Hogan einen sehr weiten Begriff von ›Kunst‹ voraus, der auch populäre Unterhaltungsmedien wie Film, Popmusik und Fernsehserien einschließt (von ihm analysierte Fallbeispiele umfassen u.a. James Camerons Film Titanic, Pablo Picassos Les Demoiselles d’Avignon und William Shakespeares King Lear). Es ist explizit nicht die Intention des Autors, einen umfassenden Forschungsbericht über ›Kunst‹ und Kognition zu erstellen; er möchte vielmehr »some exemplary instances of cognitive works« darstellen, »as these bear on the study of the arts« (S. 4).

Im Rahmen des in Kapitel II gebotenen Kurzüberblicks über Standardansätze der Kognitionswissenschaft (vor allem Repräsentationalismus und Konnektivismus) und zentrale Begrifflichkeiten diskutiert Hogan die Schwächen und Stärken dieser beiden Hauptausrichtungen. Er stellt allerdings nicht klar, innerhalb welcher dieser Begriffssysteme er sich selbst bewegen möchte. Angestrebt wird ein Pragmatismus, man könnte auch sagen Eklektizismus: Je nach untersuchtem Gegenstand werden im weiteren Verlauf der Monographie die Begrifflichkeiten und Hypothesen mal aus der einen, mal aus der anderen Ausrichtung herangezogen; kurz eingeführte Ansätze werden modifiziert, ohne genau den Argumentationsgang offen zu legen. Für den Leser wäre es hilfreich gewesen, diese Modifizierungen zumindest anhand der Fußnoten nachvollziehen zu können, um gegebenenfalls abweichende oder weiterführende Literatur zur Kenntnis nehmen zu können – insgesamt wäre eine ausführlichere Verortung der kognitionswissenschaftlichen Ansätze wünschenswert gewesen. Ungeklärt bleibt zudem das problematische Verhältnis von ›Geist‹ und ›Gehirn‹. Gewiss, der Leser erwartet hier keine endgültige Antwort auf eine notorisch strittige Frage – das Problem ist ein methodisches: Sobald Hogan eine neurophysiologische Analyseebene einbringt, etwa indem er das Gefühl ›Langeweile‹ mit einer niedrigen Stimulation kortikaler Zellen in Verbindung bringt (S. 10), sollte er auch das grundsätzliche Verhältnis der neurophysiologischen Analyseebene zu den vornehmlich herangezogenen informationstheoretischen Modellen genauer erläutern (an anderen Stellen scheinen diese Ansätze stärker zu konfligieren als sich zu ergänzen; vgl. Kap. VI und VII). Der Anspruch, eine einführende Darstellung in das Feld der ›Cognitive Literary Studies‹ zu geben, gerät nicht selten in Konflikt mit Hogans (durchaus intendierter) Tendenz, unterschiedliche Erklärungsansätze eigenständig und ungekennzeichnet zu verknüpfen und weiterzuentwickeln.

Innovationsfähigkeit entfalten die ›Cognitive Literary Studies‹ nach Hogan nicht nur in der Analyse von Rezeptions- und künstlerischen Kreationsprozessen, sondern auch in der Interpretation von Artefakten. Die Teilbereiche der Monographie, die sich ersterem widmen, fallen argumentativ deutlich stärker aus als die Teilbereiche, die ›Kunst‹ interpretieren. In der umstrittenen Frage nach Stärken und Schwächen einer kognitiv fundierten Interpretationssprache hätte man sich von Hogan eine kritische, metaperspektivische Evaluierung gewünscht (wie er sie etwa in Kap. VIII überzeugend kritisch für evolutionspsychologisch basierte Kulturtheorien leistet) – dies insbesondere in Hinblick auf die Konzepte ›Skript‹, ›Schema‹ und ›Prototyp‹,(7) die in Kapitel IV (über die kognitive Grundlage bzw. Funktion von Metaphern) und Kapitel V (wie Leser Räume, Figurenkonstellationen und Abläufe konstruieren) eine prominente Rolle einnehmen. Zwar erscheint es einerseits intuitiv plausibel, dass eine in einem Textbeispiel angeführte Darstellung einer Telefonszene (»Would she be at home? It was a chance. I found a booth. Fumbled for a quarter. 444-3993. Was that it? I waited for the ring« [S. 45].) nur vermittels eines wie auch immer gearteten Vorwissens ergänzbar und verstehbar ist. Doch ist andererseits dem Textbeispiel selbst nicht zu entnehmen, und es kann auch nicht introspektiv beantwortet werden, welche Schemata und Skripte jeweils durch den Text aktiviert oder in Frage gestellt bzw. modifiziert werden. Wird im obigen Beispiel das Schema TELEFONZELLE aktiviert oder doch eher das Skript TELEFONANRUF oder beides? In der Kognitionspsychologie wird auf das Vorliegen von Skripten, Schemata und Prototypen nur vermittelt geschlossen – sie sind weder ›im‹ Kopf noch ›im‹ Text direkt lokalisierbar.

Auch Hogans Beispielinterpretationen gelingt es nicht überzeugend, das neue Erkenntnispotential sichtbar zu machen, das sich in der Übernahme kognitionswissenschaftlicher Terminologie in die Analyse von Artefakten entfalten soll. Eine Vorgehensweise, die einerseits Artefakte vermittels Hypothesen über kognitive Prozesse erklären möchte, andererseits Hypothesen über kognitive Prozesse im Bezug auf Artefakte zu plausibilisieren anstrebt, kann kaum der Gefahr der Zirkularität entgehen. Die in Kap. I vorgenommene Analyse von John Coltranes Jazzstück My Favourite Things führt Hogan als repräsentatives Fallbeispiel für eine kognitionswissenschaftliche Herangehensweise an ›Kunst‹ an: Vermittels einer (hypothetischen) Rekonstruktion des Prozesses, der abläuft, wenn Menschen Musik hören, möchte der Anglist u.a. die Frage beantworten: Warum nehmen Menschen Musik als ›Musik‹ wahr (und nicht etwa als ›Lärm‹). Musik wird in dem vorgeführten Modell als ein Informations-Input konzeptualisiert, den der menschliche ›kognitive Apparat‹ in mehreren Schritten strukturiert und verarbeitet hat. Menschen hören ›Musik‹, indem sie den eindringenden Informationsstrom automatisch und größtenteils unbewusst mit bestimmten Strukturen abgleichen, die in ihrem Langzeitgedächtnis vorliegen (Prozess). Das Jazzstück My Favourite Things wird im Anschluss an diese Überlegungen als ein Musikstück (Artefakt) analysiert, das zu einer idealen kognitiven Stimulation führe und sich deshalb großer Beliebtheit erfreue. Diese konstatierte ›Kognitionsfreundlichkeit‹ von My Favourite Things stützt allerdings nur scheinbar Hogans hypothetisches prozessuales Modell – die Argumentation beruht an dieser Stelle de facto auf bloßer Introspektion und suggeriert, dass ein einzelner Hörer selbst die eigenen kognitiven Abläufe registrieren könnte: »I simply marked my experience of patterning, my experiental sense of a return to familiarity« (S. 27).

 
David Herman (Hg.), Narrative Theory and the Cognitive Sciences, Stanford: CSLI Publications 2003. 363 S.

Repräsentativ für den seit ca. Anfang der 1990er Jahre einsetzenden Trend einer kognitiven Erweiterung der Narratologie(8) ist der von David Herman herausgegebene Sammelband Narrative Theory and the Cognitive Sciences. In seinem einführenden Kurzüberblick (Introduction) über die Veränderung des narratologischen erkenntnisleitenden Interesses charakterisiert Herman die neue Perspektive folgendermaßen:

In contrast with some of the earlier narratological research, the contributions to the present volume seek less to specify necessary and sufficient conditions for story than to explore the semiotic, cognitive, and sociointeractional environments in which narrative acquires salience and to which stories in turn lend structure (S. 3).

Herman erhofft sich Synergieeffekte von einem Forschungsprogramm, das strukturalistische, kontextualistische und kognitive Ansätze verknüpft. Dass die Ausweitung der Kontexte (Kognition; soziale Interaktion) und der Verzicht auf eine klar spezifizierte Definition die große Chance vielzahliger Verknüpfungspunkte unterschiedlicher Disziplinen mit sich bringen und dabei die »pervasiveness and polyfunctionality of narrative itself« (S. 2) sichtbar machen kann, ist unbestritten.

Wie jedoch ein »integrative, interdisciplinary framework – an approach that weaves together strands of research that began as separate areas of inquiry« (S. 5) ohne eine übermediale und überdisziplinäre Minimaldefinition von Narration auskommen kann, und welche Minimaldefinition in Frage käme, lässt David Hermans Einleitung offen. Wollte man sein Projekt im Rahmen der in Narratology beyond Literary Criticism von Jan Christoph Meister, Tom Kindt und Wilhelm Schernus angeführten drei Möglichkeiten des Status einer erweiterten Narratologie beschreiben, so vertritt Narrative Theory and the Cognitive Sciences wohl den Status von Narratologie als »an interdisciplinary project in the context of which various individual disciplines can constantly inductively exchange and combine new object- and interest-specific definitions of narrativity«.(9) Der Sammelband setzt sich aus Beiträgen von zahlenmäßig etwa gleichgewichtig vertretenen Literaturwissenschaftlern und Nicht-Literaturwissenschaftlern (Psychologen, Linguisten, Informatikern) zusammen. Die eingesetzten Methoden, die angestrebten Ebenen der Analyse und die jeweils zugrunde gelegten Definitionen von Kognition und Narration variieren in den zwölf Aufsätzen.

Drei Wege einer Verknüpfung von Kognition und Narration werden eingeschlagen: (a) Eine Korrelation zwischen Narration und Kognition, die Kognition als funktionale Voraussetzung für Narration begreift; (b) eine Korrelation zwischen Narration und Kognition, die die Effekte von Narration auf Kognition analysiert; (c) eine kognitive ›Fundierung‹ eines Interpretationsvokabulars ohne eindeutige funktionale Korrelation. Nur Gruppe (c) rechnet David Herman in seiner Einleitung (Introduction) der »cognitive narratology« im eigentlichen Sinn zu: »Work in this hybridized domain of inquiry seeks to construct a cognitive basis for – or motivation of – categories and principles developed by theorists concerned with narrative structure and narrative interpretation« (S. 20). Unklar bleibt im Verlauf des Sammelbandes, ob Forschungsergebnisse aus (a) und (b) wirklich für (c) relevant sind und umgekehrt.

(a) Kognitive Voraussetzungen für Narration: In Cognitive Psychological Foundations of Narrative Experiences, dem einzigen Beitrag des Bandes, der in Gruppe (a) fällt, fassen die Kognitionspsychologen Richard Gerrig und Giovanna Egidi die Ergebnisse einiger empirischer Studien prägnant zusammen. Ergebnis dieser Studien war das Aufweisen verschiedener während des Lesens unbewusst ablaufender sog. automatischer Prozesse (z.B. ›Resonanz‹ und automatische Inferenzen); die Grenzen von Introspektion werden somit ersichtlich.

(b) Narrative Grundlagen der Kognition: Knapp die Hälfte der Aufsätze widmet sich mit unterschiedlich hohem Generalisierungsgrad der Frage, welche Effekte Narration (hier zumeist als Prozess gefasst) auf Kognition ausüben kann. Die Psychologin Kitty Klein fasst in Narrative Construction, Cognitive Processing and Health die Ergebnisse verschiedener Studien zusammen, die den sich auf die physische und mentale Stabilität eines Menschen auswirkenden positiven Effekt des Erzählens nach traumatischen Erlebnissen zu erfassen suchen. Besonders aufschlussreich ist an diesem Beitrag die eingenommene Metaperspektive auf das Methodenproblem, wie eine Operationalisierung von ›Narration‹ erfolgen kann. Verschiedene Systeme des Kodierens werden vorgestellt und ihre Stärken und Schwächen evaluiert.

David Herman befasst sich – ebenso wie Mark Turner in seinem Beitrag Double-scope Stories – mit generellen Effekten von Narration auf Kognition. In Stories as a Tool for Thinking strebt Hermann die Erstellung einer »taxonomy of the core problem-solving abilities supported by stories« (S. 165) an. Schwierigkeiten bereiten die in diesem Aufsatz eingesetzten enorm weiten Zentralbegriffe von »narrative« als »cognitive artifact« (der Prozesse ebenso wie deren Resultate – materiale und nicht-materiale – umfasst) und von »core problem-solving abilities« (einmal gefasst als »models for understanding the world« [S. 185], dann wieder als »general representational processes« [S. 172]) ebenso wie die unproblematisierte Voraussetzung, dass anhand der Analyse von (wenigen) individuellen Gesprächstranskriptionen (als »instituted narrative products« [ebd.]) generelle Annahmen über kognitive Prozesse gewonnen werden könnten.

(c) ›Cognitive Narratology‹: Die lebhafte Debatte um die kognitive Ausweitung der Narratologie wird ersichtlich in Monika Fluderniks Replik (Natural Narratology and Cognitive Parameters) auf Kritiker ihrer Monographie Towards a ›Natural‹ Narratology.(10) Umstritten ist in dieser Debatte nicht zuletzt die Frage nach der Zugänglichkeit der Sphäre des Kognitiven: Während Marie-Laure Ryan in Cognitive Maps and the Construction of Narrative Space den Unterschied zwischen einerseits »cognitive maps« als einem Beobachter nicht direkt zugängliche mentale Repräsentationen einer Raumordnung und andererseits »graphic transpositions of mental images« als material vorliegende Zeichnungen (S. 231) hervorhebt (über letztere kann nur hypothetisch auf erstere geschlossen werden, denn die nachträglich angefertigten Zeichnungen geben die ›inneren Bilder‹ von Lesern nicht strukturgleich wieder), will Manfred Jahn in ›Awake! Open your eyes!‹ The Cognitive Logic of External and Internal Stories auch »internal stories« (Träume, Erinnerungen, Phantasien) in den Gegenstandsbereich der Narratologie aufnehmen. Uri Margolins Cognitive Science, the Thinking Mind, and Literary Narrative strebt erstens eine kognitive ›Fundierung‹ bzw. ›Motivierung‹ einer (literaturwissenschaftlichen bzw. narratologischen) Terminologie an: Reformuliert werden u.a. der Begriff des ›impliziten Autors‹ als »manifestation of a specific cognitive style, a tendency to process information in a particular way« (S. 227) und der Begriff der ›Fokalisierung‹ als »deictic anchoring, intentionality, attention and perception, cognitive processing and resultant mental representation of a domain« (S. 283). Dieses Plädoyer für eine kognitive Fundierung narratologischer Terminologie wird jedoch argumentativ nicht umgesetzt und kann – zumindest im begrenzten Rahmen des Aufsatzes – nicht überzeugen. Zweitens konstatiert Margolin die Nowendigkeit eines kognitiven Vokabulars »to increase our ability to identify, define, and describe individual mental states and episodes in storyworlds« (S. 289). Dass hier die Schwierigkeit besteht, dass »only in the case of actual human beings can cognitive-sciences concepts, models, and claims apply literally« (S. 273), muss Margolin selbst einräumen.

 
Lisa Zunshine, Why We Read Fiction. Theory of Mind and the Novel, Columbus: The Ohio State University Press 2006. 198 S.

Einerseits überschwänglich weit reichende Hypothesen aufstellend, andererseits doch immer den vorläufigen Charakter ihrer Überlegungen betonend, provoziert Lisa Zunshines Monographie mit der im Titel angeführten Fragestellung ›Why we read fiction‹, die tatsächlich ein erkenntnisleitendes Interesse dieses höchst ambitionierten Projektes darstellt. Die Argumentation, die Zunshine präsentiert, ist intuitiv enorm einleuchtend, kaschiert allerdings manchmal vorhandene Lücken im Argumentationsgang durch rhetorische Kniffe.

›Warum lesen wir fiktionale Texte‹? Das in dieser Frage anklingende ›wir‹ führt bereits mitten hinein in die komplexe, ungelöste und herausfordernde Problematik des Verhältnisses von kulturellem Kontext und kognitiven Grundkapazitäten. Unter ›wir‹ versteht Zunshine einen »complex cultural compound«, das einen »particularly historically situated reader with a particularly individual taste« denotiert (S. 20). Man könnte die Überlegungen der Anglistin auch folgendermaßen reformulieren: Warum liest ein Leser im 17. Jahrhundert ebenso gerne den Roman X wie ein Leser des frühen 21. Jahrhunderts? Gibt es etwas, das diese beiden Leser ungeachtet ihrer spezifisch historischen Lebensumstände und persönlichen Vorlieben in ihrem Lektüreverhalten verbindet? Zunshine rechnet damit, dass diese Fragen unverzüglich ein ganzes Bündel an Vorbehalten aktivieren, die seit dem ›cultural turn‹ den ›common ground‹ weiter Bereiche der Kultur- und Literaturwissenschaft ausmachen: Kann es ein mit sich gleich bleibendes Jenseits der Kultur geben? Wie kann uns ein Leser des 17. Jahrhunderts jenseits seiner kulturellen Einbettung zugänglich werden?

Diese Vorbehalte will Zunshine herausfordern (in der provokativen Sichtbarmachung unhinterfragter Hintergrundannahmen kulturalistischer Interpretationstheorien liegt eine der großen Stärken des Buches), und das gelingt ihr deutlich und rhetorisch zugespitzt: »To understand what enables most of us to constrain the range of possible interpretations, we may have to go beyond the explanation that evokes our personal reading histories and admit some evidence from our evolutionary history« (S. 4). Ausgangsannahme der Argumentation ist, dass sich die im Zuge der menschlichen Evolution entwickelnden kognitiven Kapazitäten innerhalb unterschiedlicher Kulturen und Zeiträume immer wieder neu und anders instanziieren und eine Grundbedingung darstellen für die Entstehung und Rezeption literarischer Fiktionen. Diese Grundbedingung ist allerdings kein determinierender Faktor für die Entstehung literarischer Fiktionen und bestimmter fiktionaler Genres: »Thus in spite of our evolved cognitive abilit[ies] […], there is no predicting what cultural forms, literary or otherwise, these cognitive abilities can take« (S. 155). Literaturgeschichte reflektiert nur »a tiny subset of realized cognitive possibilities constrained by the myriad of local contingencies« (S. 161f.). Literarische Fiktion wird somit konzipiert als ein Phänomen, das in einem komplexen Interaktionsverhältnis von kulturellen Rahmenbedingungen und kognitiven Grundkapazitäten entsteht. Es sind zwei im Rückgriff auf psychologische und evolutionspsychologische Studien herausgearbeitete kognitive Grundkapazitäten, die Zunshine als zentral erachtet für die Produktion und Rezeption literarischer Fiktionen: (a) »Theory of Mind« (Kap. I) und (b) »Metarepresentationality« (Kap. II und III).

(a) »Theory of Mind«: Die Fähigkeit, Mitmenschen mentale Gehalte zuschreiben zu können (sog. »Theory of Mind«; hier abgek. ToM), hat sich evolutionären Psychologen zufolge im Laufe der menschlichen Entwicklung als zentrale Fähigkeit herausgebildet und spielt im sozialen Alltag eine entscheidende Rolle; das Nichtvorliegen dieser Fähigkeit (etwa im Falle von Autismus) hat gravierende Konsequenzen für die sozialen Interaktionsfähigkeiten eines Menschen – und auch auf seine Rezeptionsfähigkeit von Literatur (Zunshine führt an, dass wenige Autisten Zugang zu literarischen Texten fänden).

Sich auf diese (evolutions-)psychologischen Grundannahmen stützend, stellt die Anglistin Folgehypothesen auf: (i) Menschen sind nicht nur im sozialen Alltagsleben auf ihre ToM angewiesen, sondern auch im Verstehen von literarischen Texten. Dies insofern als erstens Leser Figuren ›in‹ Texten mentale Gehalte zuschreiben: »The very process of making sense of what we read appears to be grounded in our ability to invest the flimsy verbal constructions that we generously call ›characters‹ with a potential for a variety of thoughts, feelings and desires« (S. 10); zweitens schreiben Leser Figuren ›in‹ Texten die Fähigkeit der ToM zu. Somit können nur Leser, die über eine ToM verfügen, verfolgen, wie humanoide Figuren in der ›textuellen Welt‹ Handlungen intendieren, Gedanken denken und anderen humanoiden Figuren diese zuschreiben. (ii) Leser und Autoren erfahren in der Stimulation ihrer ToM (im Schreiben bzw. Lesen fiktionaler Texte) ein Wohlgefühl (»pleasure«); dieses Wohlgefühl kann eine mögliche Erklärung darstellen, warum Menschen gerne fiktionale Texte lesen bzw. schreiben: »Many of us come to enjoy such stimulation and need it as a steady supplement to our daily social interactions« (S. 25).

Weder Annahme (i) noch Annahme (ii) stützt sich auf eine empirische Überprüfung, beide weisen aber unbestreitbar eine große intuitive Plausibilität auf; auf dieses intuitive Plausibilitätsgefühl setzt Zunshine, wenn sie ihre Leser in verschiedenen Gedankenexperimenten dazu anregt, sich eine Welt vorzustellen, in der Menschen über keine ToM verfügen. Ich kann mir tatsächlich kaum vorstellen, dass wir ohne diese Zuschreibungsfähigkeit in der Lage wären, literarische Texte zu verstehen. Intuitive Plausibilität scheint mir jedoch letztlich keine hinreichende Absicherung für solche weit reichenden Annahmen. Leider erläutert Zunshine nicht, ob und welche Möglichkeiten einer empirischen Überprüfung der Annahmen (i) und (ii) bestehen.

(b) »Metarepresentationality«: Die menschliche Fähigkeit, Repräsentationen (die hier alles umfassen: »thoughts, desires, intentions, and feelings« [S. 60]) einer Quelle zuzuschreiben, wird neben ToM als die zweite zentrale menschliche kognitive Grundfähigkeit identifiziert. Das Argument verläuft ähnlich wie in (a): (i) Nicht nur im Alltag, sondern auch für das Verständnis von Literatur ist »Metarepresentationality« zentral: Sie »allows us to assign differently weighed truth-values to representations originating from different sources (that is, characteres including the narrator) under specific circumstances« (S. 60). Somit sind Leser erstens in der Lage, diese Zuschreibungen selbst vorzunehmen; zweitens schreiben Leser den Charakteren zu, dass diese selbst Zuschreibungen vornehmen. (ii) Leser und Autoren erfahren in der Stimulation von »Metarepresentationality« ein Wohlgefühl.

Die Leithypothesen (i) und (ii), die Zunshine in Bezug auf ToM und »Metarepresentationality« jeweils entwickelt, treffen Annahmen darüber, welche menschlichen kognitiven Grundfähigkeiten und Prozesse für die Genese bzw. Rezeption von Literatur relevant sind – fraglich ist übrigens, ob Zunshine nicht ihre Argumentation auf einer rein synchronen Ebene hätte durchführen können, ohne die problematischen evolutionspsychologischen Vorannahmen einzuführen. Die Leithypothesen haben Konsequenzen für Zunshines skizzenhaft angedeutete Interpretationstheorie (Literaturtheorien »profitably exploit, in their quest for new layers of meaning, our evolved cognitive eagerness to construct a state of mind behind a behavior« [S. 25]), für die von ihr in den Interpretationen eingesetzte Terminologie (u.a. Neukonzipierung des ›impliziten Autors‹) bzw. für ihre Interpretationen selbst.

In Zunshines Interpretationen von Virginia Woolfs Mrs. Dalloway, Samuel Richardsons Clarissa, Vladimir Nabokovs Lolita u.a. wird erstens die Menge mentaler Zuschreibungen und ihre jeweilige Zuordnung an die Charaktere, die ein Leser vornehmen kann, analysiert; zweitens die Menge mentaler Zuschreibungen und ihre jeweilige Zuordnung, die Charaktere gegenseitig explizit vornehmen. Diese interpretatorische Vorgehensweise basiert auf der Annahme, dass Leser textuelle Signale (»cues«) identifizieren können, die mentale Zuschreibungen bzw. Zuordnungen von Repräsentationen ermöglichen. Doch wie genau sind die textlichen Signale beschaffen, die Leser Zuschreibungen erlauben? Welche sprachlichen Aussagen lassen Leser mentale Gehalte zuschreiben? Man hätte sich einen deutlich stärkeren Fokus auf diese so entscheidende Gelenkstelle zwischen Sprache und Kognition gewünscht.

 
Marisa Bortolussi/Peter Dixon, Psychonarratology. Foundations for the Empirical Study of Literary Response, Cambridge: Cambridge University Press 2002. 318 S.

Auch wenn es Marisa Bortolussi und Peter Dixon um das »cognitive processing« (S. 3) von Erzählungen geht, setzt sich Psychonarratology. Foundations for the Empirical Study of Literary Response von den zwei bisher vorgestellten Monographien bzw. den in David Hermans Sammelband vertretenen Ansätzen der ›Cognitive Narratology‹ methodisch deutlich ab (deshalb möglicherweise die Einführung des Neologismus »Psychonarratology«). Bortolussi und Dixon verfolgen mit großer Skepsis, dass »interpretations of literary works frequently become the resource pool from which scholars draw to make general inferences about the cognitive processes involved during the act of reading« (S. 3f.). Die Frage, wie Leser Erzählungen kognitiv ›verarbeiten‹, ist für beide Autoren nicht über Textanalyse oder Introspektion, sondern nur im Rahmen von empirischen Studien zu klären.

An dieser Stelle wollen die Literaturwissenschaftlerin und der Psychologe ansetzen. Ich möchte im Folgenden auf Bortolussis und Dixons zentrale methodische Grundannahme eingehen, die die zuvor besprochenen Arbeiten leider nicht zureichend berücksichtigen: die Unterscheidung zwischen (a) textuellen Merkmalen und (b) individuellen mentalen Repräsentationen eines Lesers. Während (a) objektiv definiert wird und leser- und kontextunabhängig festgestellt werden kann, ist (b) subjektiv und individuell (leser- und kontextabhängig). Mir scheint, dass diese Distinktion – so schwierig und problematisch die Entscheidung, was unter objektive textuelle Merkmale zu subsumieren ist, im jeweiligen Einzelfall sein mag (Bortolussi und Dixon sprechen von einem Kontinuum der Objektivität textueller Merkmale) – doch eine notwendige, wenn auch idealisierende fundamentale Grundunterscheidung darstellt. Ohne die Annahme von spezifischen und objektiv erfassbaren textuellen Merkmalen kann nicht plausibel werden, warum Leser manche Textanteile einer Erzählung unterschiedlich, manche jedoch übereinstimmend verstehen.  

Auch wenn Bortolussi und Dixon an strukturalistischen bzw. formalistischen narratologischen Ansätzen Kritik üben, bezieht sich diese nur auf einige der von diesen Ansätzen eingesetzten Konzepte (etwa das des ›impliziten Autors‹ bei Wayne Booth), die jene zentrale Distinktion von (a) und (b) verwischen. Grundsätzlich ist »Psychonarratology« ein zur strukturalistischen und formalistischen Narratologie komplementäres Unternehmen, das auf diese Ansätze für die Bestimmung der textuellen Merkmale angewiesen ist.

Die kontrollierte Veränderung von textuellen Merkmalen und kontextuellen Variablen in Experimenten lässt empirisch gesicherte Annahmen zu, wie Leser Erzähltexte kognitiv verarbeiten – die jeweiligen Prozesse der Verarbeitung sind selbst ja nie direkt zugänglich, sondern es kann nur vermittelt auf sie geschlossen werden. Damit liefern Bortolussi und Dixon auch wertvolle Anregungen, wie die derzeit im literaturwissenschaftlichen ›Mainstream‹ schwach vertretene Empirische Literaturwissenschaft unter kognitiven Vorzeichen wiederbelebt werden kann.
 
Julia Mansour, M.A., Yale University, Department of German, P.O. Box 208210, New Haven CT 06520, USA; E-Mail: julia.mansour@gmx.net


Anmerkungen

(1) Die drei englischen Bezeichnungen und die deutsche Übersetzung werden im Folgenden synonym gebraucht. [zurück]

(2) Alan Richardson, Studies in Literature and Cognition. A Field Map (Introduction). In: Ders./Ellen Spolsky (Hg.), The Work of Fiction. Cognition, Culture and Complexity. Aldershot, Burlington 2004, S. 1-30; hier S. 2; siehe auch Mary Crane/Alan Richardson, Literary Studies and Cognitive Science. Toward a New Interdisciplinarity. In: Mosaic 32 (1999), S. 123-140. Eine Forschungsbibliographie und Verweise auf weiterführende Internet-Seiten finden sich auf der von Alan Richardson aktualisierten Homepage Literature, Cognition & the Brain (http://www2.bc.edu/~richarad/lcb/; Zugriff überprüft am 30.04.2006).[zurück]

(3) Seit Mitte der 1990er Jahre wird die Debatte über eine kognitive Literaturwissenschaft größtenteils auf Englisch geführt. Im Unterschied zu einer kognitiv ausgerichteten Empirischen Literaturwissenschaft der 1980er und frühen 1990er Jahre (etwa Dietrich Meutsch, Kognitive Prozesse beim literarischen Lesen von Texten. Zum Einfluß von Kontext, Ziel und Situation auf literarisches Verständnis. In: SPIEL 5 [1986], S. 309-331; Janos László/Reinhold Viehoff, Literarische Gattungen als kognitive Schemata. In: SPIEL 12 [1993], S. 230-251) wollen sich die derzeitigen ›Cognitive Literary Studies‹ in ihrem Rückgriff auf kognitionspsychologische Studien weder auf die Modellierung von Rezeptionsvorgängen beschränken noch verstehen sie sich in ihrer überwiegenden Mehrzahl als empirisch. Die Frage, wie die Integration von interpretatorischen und empirischen Verfahren methodologisch überzeugend gelingen kann, wird allerdings zu selten gestellt. Einen wichtigen Vorschlag zur Integration kognitionspsychologischer Annahmen in eine Hermeneutik – vermittels der Hilfsannahme eines ›Modelllesers‹ – macht Fotis Jannidis, Figur und Person. Beitrag zu einer historischen Narratologie. Berlin 2004. [zurück]

(4) Genau diese Frage nach einer interdependenten Interdisziplinarität wurde auf der im April 2006 an der University of Connecticut/Storrs veranstalteten internationalen Tagung Literature and Cognitive Science (http://www.conferences.uconn.edu/cog/; Zugriff überprüft am 30.04.2006) kontrovers debattiert; auf dieser Tagung waren nur wenige (unter 10%) empirisch arbeitende Kognitionswissenschaftler vertreten. [zurück]

(5) Der die Debatte auslösende Kommentar: Hans Adler/Sabine Gross, Adjusting the Frame. Comments on Cognitivism and Literature. In: Poetics Today 23 (2002), S. 195-220; eine der darauf folgenden Repliken: Ellen Spolsky, Cognitive Literary Historicism. A Response to Adler and Groß. In: Poetics Today 24 (2003), S. 161-183. Vgl. auch Meir Sternberg, Universals of Narrative and Their Cognitivist Futures, (I) und (II). In: Cognitive Poetics 24 (2003), S. 297-395 und S. 517-638 und die darauf folgende Debatte, die im Internet einsehbar ist unter http://www.arts.ualberta.ca/igel/igel2004/debate/index.htm (Zugriff überprüft am 30.04.2006). [zurück]

(6) Alan Richardson/Francis F. Steen, Literature and the Cognitive Revolution, Special Edition von Poetics Today, 23 (2002) 1. [zurück]

(7) Hogan versteht unter ›Skript‹, ›Schema‹ und ›Prototyp‹ lexikalische Merkmalskomplexe, in denen Informationen über Eigenschaften von Gegenständen bzw. über Abläufe zusammengefasst sind und die unter bestimmten Umständen aktiviert werden. Auf die Weiterentwicklung der Skript-Theorie nach Robert C. Schanks und Robert P. Abelsons zentraler Studie (Scripts, Plans, Goals, and Understanding: An Inquiry into Human Knowledge Structures. Hillsdale 1977) geht Hogan leider nicht ein. Für einen kurzen deutschsprachigen Überblick über Arbeiten zu ›Skript‹, ›Schema‹ und ›Prototyp‹ und ihre Relevanz für die Literaturwissenschaft siehe: Ralf Schneider, Grundriß zur kognitiven Theorie der Figurenrezeption am Beispiel des viktorianischen Romans. Tübingen 2000; insbes. S. 39-51. [zurück]

(8) Siehe auch Bruno Zerweck, Der cognitive turn in der Erzähltheorie. Kognitive und ›Natürliche‹ Narratologie. In: Ansgar Nünning/Vera Nünning (Hg.), Neue Ansätze in der Erzähltheorie. Trier 2002, S. 219-242. [zurück]

(9) Jan Christoph Meister/Tom Kindt/Wilhelm Schernus, Introduction. Narratology beyond Literary Criticism: Mediality – Disciplinarity. In: Jan Christoph Meister (Hg.), Narratology beyond Literary Criticism. Mediality, Diciplinarity. Berlin, New York 2005, S. ix-xvi; hier S. xv. [zurück]

(10) Monika Fludernik, Towards a ›Natural Narratology‹. London 1996. [zurück]