Detailansicht

In: KulturPoetik 2006, Heft 2

Autor

Christiane Frey

Titel

Hirngeschichten
(1) Michael Hagner, Geniale Gehirne. Zur Geschichte der Elitegehirnforschung. Göttingen: Wallstein 2. Aufl. 2005 [zuerst 2004]. 375 S.
(2) Caroline Welsh, Hirnhöhlenpoetiken. Theorien zur Wahrnehmung in Wissenschaft, Ästhetik und Literatur um 1800. Freiburg: Rombach 2003. 327 S.

Kategorie

Rezension

Volltext

Kaum eine Wissenschaft dürfte, ob um 1900 oder um 2000, für mehr Aufsehen sorgen als die Hirnforschung. An ihr werden – und wurden spätestens seit Descartes – Grundfragen menschlicher Existenz virulent wie die nach dem Übergang zwischen Geist und Körper oder überhaupt nach der Existenz eines Geistigen jenseits der des Physischen. Und last, not least soll das Gehirn, heute wie gestern, Auskunft erteilen über individuelle geistige Fähigkeiten. Heute sind es, unter vielen anderen, Wissenschaftler wie Detlef B. Linke, Wolf Singer oder Gerhard Roth, um 1800 waren es Soemmering oder Gall. Und was heute als Sensationsnachricht in den Zeitungen steht – wie: die Wissenschaft habe die ›Materalität des Geistes‹ festgestellt, oder: das Gehirn sei nun ›lesbar‹ geworden –, ist oft kaum mehr als eine Abwandlung alter Theoreme. Kein Wunder, dass mit den Behauptungen der aktuellen Hirnforschung auch das Interesse an der Geschichte der Hirnforschung wächst. Brian Burrells Postcards from the Brain Museum (2004) ist ein prominentes, allerdings eher populärwissenschaftliches Beispiel, zwei andere sind Michael Hagners Geniale Gehirne (2004) und Caroline Welshs Hirnhöhlenpoetiken (2003). Letztgenannte Arbeiten erzählen, auf ganz unterschiedliche Art, tatsächlich ›Hirngeschichten‹: Hagner geht es um eine Kulturgeschichte des wissenschaftlichen Umgangs mit ›genialen Gehirnen‹, Welsh um jene Verlegenheiten der ›Hirnforschung‹ (wahrscheinlich müsste man sagen avant la lettre) um 1800, in die poetische Figuren einspringen und die auch ästhetische wie literarische Projekte profilieren. 
 

Michael Hagner, Geniale Gehirne. Zur Geschichte der Elitegehirnforschung. Göttingen: Wallstein 2. Aufl. 2005 [zuerst 2004]. 375 S.

Michael Hagners Geschichte der Elitegehirnforschung will mehr als einen wissenschaftshistorischen Faktenbericht über die Erforschung ›genialer Gehirne‹ liefern. Vielmehr wird anvisiert, Wissenschaft – und in diesem Falle die Hirnforschung – als »kulturelle Praxis« (S. 9) auszuweisen, und das heißt, im Anschluss an diskurs- und kulturtheoretische Ansätze das wissenschaftliche Unternehmen in seinen nicht nur ideologischen, sondern auch konkreten soziokulturellen Bedingtheiten darzustellen.

Kaum eine Geschichte dürfte sich für ein wissenschaftskritisches Vorhaben dieser Art besser eignen als die der Erforschung ›genialer Gehirne‹. Genieverehrung, Hagiographie und kulturelle Erinnerung befördern und konturieren das Projekt, der Substanz geistiger Hochbegabung auf die Spur zu kommen, nicht minder als utopische Entwürfe gesellschaftlicher Progression, Eugenik und Rassenhygiene – so jedenfalls kann es Hagner in seiner groß angelegten Studie überzeugend darstellen.

Sieht man von der Vorgeschichte der ›Elite- und Genieforschung‹ ab (man denke an Juan Huartes Examen de Ingenios von 1575), die Hagner nicht unberücksichtigt lässt, so setzt das Interesse am ›genialen Hirn‹ erst im 18. Jahrhundert ein. Vor allem die Erforschung des Menschen in seinen Extremen zwischen »Genialität, Kriminalität und Wahnsinn« (z.B. S. 20), aber auch das Wiederaufleben physiognomischer Deutungsmuster bedeuten einen neuen Zugriff auf die Erkundung – im Wortsinne – physiologischer Ansichten von geistigen bzw. genialen Fähigkeiten. Zunächst steht dabei der menschliche Schädel im Mittelpunkt der Untersuchungen: Von Soemmering bis Carus wird nicht das Gehirn, sondern der Schädel beobachtet und gemessen. Wie kommt es, dass erst 1816 die Frage nach einer Verbindung von intellektueller Begabung und Hirnwindungen aufgeworfen wird, d.h. erstmalig das Gehirn selbst befragt wird? Statt wissenschaftsimmanent zu argumentieren, geht Hagner auf sozialhistorische und alltagskulturelle Faktoren ein:

Bevor sich die Hirnforschung im eigentlichen Sinne durchsetzen konnte, mussten entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehört die Aufstellung eines Rasters von verschiedenen Windungen, die aus einer »Schüssel voll Macaroni« (S. 124) eine dechiffrierbare Ordnung macht. Leisten könnte dies nur ein umfassender Vergleich; dazu aber hätte es zahlreicher Hirne bedurft, die den Wissenschaftlern schlicht nicht zur Verfügung standen. Ausführlich zeigt Hagner im dritten Kapitel seiner Studie, wie sich trotz dieses Dilemmas der »Glaube an ein verzweigtes Windungsrelief [...] als Zeichenträger intellektueller Außerordentlichkeit« (S. 127) durchsetzt. Er weist aber auch nach, wie mit Adolphe Quetelets homme moyen Hirngewicht und -volumen wieder in die Debatte kommen und wie mit dem Problem umgegangen wird, das Genie nunmehr auf eine cerebrale Disposition (S. 133) reduziert zu sehen. Ausführlich geht der Verfasser schließlich auf Brocas und Wagners Messungen ein, erläutert die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, sowie den Umgang mit den widersprüchlichen Ergebnissen ihrer Messungen.

In seinem vierten Kapitel arbeitet Hagner den Wandel des Geniebegriffs, seine Umstände, Gründe und vor allem seine Korrelationen mit den Interessen der Hirnforschung heraus. Für die Hirnanthropologen des 19. Jahrhunderts war der hergebrachte Geniebegriff irrelevant geworden. Für sie stellte das Genie nunmehr eine Höherentwicklung bestimmter Hirnorgane dar, nicht das unerklärliche je ne sais quoi, wie es im 18. Jahrhundert gefeiert wurde. Ergänzt wurde dieser Paradigmenwechsel von einer allgemeinen Tendenz zur Pathologisierung. Die Folge war, dass das Geniale für besonders reizbar, krankhaft, degeneriert erklärt wurde. Ein berühmtes Beispiel ist Lombrosos pathographische Schrift Genie und Irrsinn (dt. 1887), in der Genie nicht mehr als Ausnahmeerscheinung, sondern als »auf einer Achse mit Geisteskrankheit und Verbrechen« verhandelt wird (S. 187). Dabei untersucht Lombroso vor allem Gehirne. (Die Ironie der Wissenschaftsgeschichte wollte, dass ausgerechnet sein eigenes Gehirn, als man es wog, für zu leicht befunden wurde und zudem eine große ›Affenspalte‹ aufwies – bei Lombroso ein typisches Zeichen für Entartung).

Ihren ersten Konkurrenten findet diese Degenerationstheorie bemerkenswerter Weise im Naturalismus. Hagner befasst sich ausführlich mit dem Verhältnis von Zola und Nordau. Dabei kommt er zu aufschlussreichen Feststellungen, wie: »Von der Anthropologie des Genies einmal abgesehen, lag der Hauptgrund für Lombrosos und Nordaus klinische Beurteilungen von Literatur darin, dass sie eifersüchtig die Definitionsmacht darüber bewahren wollten, was eine adäquate Schilderung von Wahnsinn und Degeneration sei« (S. 191). Die entscheidende Gegentheorie zur Idee des degenerierten Genies allerdings stammt von Meynert und Flechsig. Vor allem Meynert verabschiedet mit seiner These von Assoziationszentren die morphologische Sichtweise auf das Gehirn zugunsten eines, so Hagner, funktionellen Ansatzes. Das höher entwickelte – und gegebenenfalls auch geniale Gehirn – zeichnet sich Meynert zufolge nämlich nicht dadurch aus, dass es etwa besonders ›gewichtig‹ wäre, sondern durch komplexe Verbindungen von Assoziationsfasern, die evolutiv entstehen. Damit ist das Genie auch nicht mehr in Gefahr, als entartet abgewertet zu werden; vielmehr gilt es jetzt als besonders gesund und ›entwickelt‹.

Hagners Interesse allerdings gilt nicht allein solchen und ähnlichen Umwertungen. Auch größere Kontexte geraten in den Blick, wie beispielsweise das bekannte Ideologem eines Fortschritts der Menschheit qua biologischer und eugenisch steuerbarer Höherentwicklung. Das Gehirn spielt dabei, so formuliert es Hagner, »eine geradezu paradoxe Rolle« (S. 210). Von Helmholtz und der Identifizierung bestimmter Assoziationszentren bis zur International Brain Comission und ihrem Scheitern geht Hagner den einzelnen Stationen der Hirnforschung um 1900 nach.

Seiner Auffassung zufolge kündigt sich schon vor Kriegsbeginn ein weiterer Umbruch an, der mit der Krise der Hirnforschung einen neuen Begriff hervorbringt, nämlich den der Elitegehirnforschung. Ihrem »Aufstieg und Niedergang« widmet sich Hagner denn auch in seinem fünften Kapitel. Alles beginnt mit Lenins Gehirn, mit dessen Untersuchung der Hirnforscher Oskar Vogt betraut wurde. Hagner arbeitet heraus, wie sich das allgemeine Interesse an Lenins Gehirn und Vogts »Hirnhygiene« (S. 236) zusammen mit anderen Faktoren gegenseitig verstärken und so zu dem »fulminanten Aufstieg« (S. 237) der Elitegehirnforschung führen. ›Individualpsychologie‹, die Substitution von ›Genie‹ durch ›Elite‹ und schließlich der programmatische Versuch, optimale gesellschaftliche Verteilung der einzelnen Bürger je nach ihrer Begabung zu erzielen, charakterisieren Vogts Ambitionen. Hagner spricht treffend davon, dass mit Vogts Ansatz »die ganze Gesellschaft zum Versuchsfeld der Erfahrungswissenschaften wurde« (S. 247). Hagners Studie leistet auch hier ein Mehrfaches: zunächst wird gezeigt, dass und inwiefern Vogts Theorie der ›Pyramidenzellen‹ sowohl rückzubinden ist an die Hirnforschung des 19. Jahrhunderts, als auch im Kontext der »cytoarchitektonischen Lokalisationsforschung« der Zeit ihren Ort hat (S. 253); mehr als deutlich wird, inwiefern es ein wiederholtes Mal um den »Zusammenhang von Cerebralität und Genialität« geht (S. 255); und schließlich wird verständlich, dass es bei Vogt nicht um eine Politik der Rassenreinigung ging, sondern um Eliten, an denen »Deutschland genesen« sollte (S. 263). Hagner erzählt nun aber freilich nicht nur Vogts Erfolgsgeschichte, sondern auch das Ende der Elitegehirnforschung um 1933. Anders als zu erwarten wäre, ließ sich Vogts Projekt »nicht in nationalsozialistische Politik umsetzen« (S. 281). Dass in der Nachkriegszeit Vogts Hirnforschung noch einmal für kurze Zeit gefragt ist – als Untersuchung ›nationalsozialistischer Verbrechergehirne‹ – ist abermals eine Ironie der Wissenschaftsgechichte.

Im letzten Kapitel schließlich widmet sich Hagner nicht nur einigen – freilich symptomatischen – Kuriositäten moderner Hirnforschung wie dem Umgang mit Einsteins Gehirn, sondern setzt sich auch mit aktuellen Tendenzen auseinander. Dabei kommt er zu dem Fazit, dass sich zwar die Methoden der Hirnforschung geändert haben, die »Wünsche, Hoffnungen und Deutungsmuster, die hier zum Ausdruck kommen«, allerdings viel älter seien, »als den Protagonisten dieser Programme bewußt sein mag« (S. 309). Damit bezieht er sich auf jene Vertreter der Cyber-Phrenologie und Neuropädagogik, die mit Vorstellungen vom ›Gehirn als Fingerabdruck‹ oder von einer Erziehung gemäß zuvor genau erkundeter Muster neuronaler Kolumnen von sich Reden machen.

Der wissenschaftshistorische Blick Hagners ist in seiner Souveränität beeindruckend und zeigt nicht nur Umbrüche, sondern auch Konstanten in der Hirnforschung. Ohne sich über die meistenteils absurden Ergebnisse der Phrenologie zu mokieren, kann die Studie viele Tendenzen und scheinbare Neuansätze gerade der aktuellen Hirnforschung relativieren und somit als gelungene Kritik an jedem Wissenschaftsoptimismus gelten. Vorwerfen könnte man der Arbeit ihr oft allzu eingängiges ›Erzählen‹. Ebenso wird der Anspruch, nicht zuletzt auch »Dispositive [Hervorhebung C.F.] zur Konstruktion des genialen Gehirns« (S. 9) herauspräparieren zu wollen, nicht wirklich eingelöst. Die ›Wissensschichten‹, um die es hier geht, liegen doch eher auf der Faktenebene – seien es auch die »historischen Konstellationen« und »kulturellen Praktiken« (S. 9) – als auf epistemischer Ebene. Zugleich trägt genau das zu der Lesbarkeit der Arbeit bei und ist gerade eine ihrer Stärken.
 

Caroline Welsh, Hirnhöhlenpoetiken. Theorien zur Wahrnehmung in Wissenschaft, Ästhetik und Literatur um 1800. Freiburg: Rombach 2003. 327 S.

Die vorliegende germanistische Arbeit – eine überarbeitete Gießener Dissertationsschrift – ist freilich in ihrem Zuschnitt nicht so ambitioniert wie die Studie Hagners, konzentriert sie sich doch auf einen relativ kurzen Zeitraum und auf eine bescheidenere Fragestellung. Ansatz und These mag man allerdings in manchem origineller finden, auch sind die Argumente kleinschrittiger entwickelt. Der Zeitraum, den Caroline Welsh behandelt, reicht von Leonard Eulers Briefen an eine deutsche Prinzessin (1769) bis zu Brentanos und Görres’ gemeinsamer Erzählung BOGS (1807). Ihr Erkenntnisinteresse lässt sich zusammenfassen als Frage nach den Beziehungen zwischen wissenschaftlichen und ästhetisch-poetologischen Theorien und Figuren der Wahrnehmung. Ihr kulturwissenschaftlicher Ansatz, dem es nicht zuletzt um die Wissenszirkulation in/von verschiedensten Bereichen geht, erweist sich als inspiriert von wissenspoetischer Methodik – also einem starken Interesse an poetischen Figuren in wissenschaftlichen Theorien –, aber auch als Aufarbeitung von ›Wissenspoetisierung‹ in Ästhetik und Literatur. ›Hirnhöhlenpoetiken‹ ist dabei nicht nur ein wohlklingender Titel, sondern durchaus Programm. Ausgehend von Soemmerings Organ der Seele mit seiner Theorie der ›belebten‹ Hirnhöhlenflüssigkeit (S. 61), Ort des Übergangs von Geist und Körper, und Chladnis Klangfiguren kann Welsh besonders eindrücklich bei Novalis zeigen, wie es in seinen poetologischen Gedanken um eine »Aufhebung der Differenz zwischen Körper und Seele in ihrer Vermischung im Medium der Flüssigkeit« geht (S. 239). Die Hauptidee der Dissertationsschrift ist, dass der Begriff ›Hirnhöhlenpoetik‹ in der Lage ist, jene Literatur präzise zu charakterisieren, in der der im 18. Jahrhundert viel diskutierte Übergang zwischen Geist und Körper zum ästhetischen Gegenstand wird, an dem gleichzeitig Erzeugung und Wirkung von Literatur reflektiert werden. Explizit wird hier das Problem der Darstellbarkeit des Absoluten auf ein wissenschaftliches Problem bezogen, nämlich auf die undarstellbaren »Prozesse am Übergang zwischen Körper und Seele« (S. 252).

Stellen wir aber der Reihenfolge nach dar: Die Studie von Welsh ist in drei große Kapitel gegliedert, deren erstes ausführlich mit verschiedenen Modellen des Übergangs zwischen Körper und Seele von Euler bis Ritter befasst ist. Dabei unterscheidet die Verfasserin zwischen einem Resonanz- und einem Klangfiguren-Modell. Im Falle des Resonanzmodells wird die Beziehung zwischen Körper und Seele als ein Mitschwingen vorgestellt (Krüger, Herder, Reil u.a.), im Falle des Klangfiguren-Modells (Soemmering, Ritter) tritt ein Drittes, nämlich die Figur, zwischen wahrnehmendes Subjekt und Objekt, so dass von einem Affiziertwerden nicht mehr die Rede sein kann. Es liegt nahe, den Übergang von einer Affektrhetorik zur Autonomieästhetik auf diese beiden Modelle zu beziehen. Genau das tut Welsh in ihren folgenden Kapiteln, allerdings auf differenzierte Weise. Ihr Schwerpunkt liegt dabei, in einem zweiten Kapitel, auf der Frage, wie Kant und Schiller jeweils mit Bezug auf das Resonanzmodell versuchen, die Freiheit des Subjekts dennoch zu retten. Was Welsh bei Kant als ein Überschreiben ausweist, kann sie bei Schiller als eine Lösung innerhalb des Resonanzmodells plausibel machen.

In ihrem dritten Kapitel, Höhepunkt und Schlussteil der Arbeit, steht die romantische Poetik bzw. Literatur von Tieck bis Görres/Brentano im Mittelpunkt. Hier werden beide Modelle noch einmal aufgerufen: die Resonanz wird der Einbildungskraft gegenübergestellt, die Klangfigur als Korrelat der Autonomieästhetik und einer Hirnhöhlenpoetik der Synästhesie und Selbstreflexion herausgearbeitet. Görres’/Brentanos BOGS schließlich wird als »Persiflage der Verflechtungen zwischen Anthropologie und Poesie« (Untertitel, S. 253) und damit auch als Parodie einer Hirnhöhlenpoetik gelesen.

Die Arbeit von Welsh überzeugt durch Einfallsreichtum und genaue Textlektüren. Auch kann sie tatsächlich ein neues Licht auf die Bedeutung vor allem von Soemmerings Theorie der Hirnflüssigkeit als Übergangsmedium für die klassische und romantische Ästhetik werfen. Kritisieren könnte man die an manchen Stellen vielleicht zu gewagten Übertragungsversuche von Hirnhöhlenflüssigkeiten auf synästhetische Figuren in der Literatur – andererseits erlaubt diese Vorgehensweise eine Zusammenschau, die in wissensgeschichtlich informierten Arbeiten selten so inspirierend gelingt wie hier.

Christiane Frey, Assistenzprofessorin an der University of Chicago, Department of Germanic Studies, 1050 East 59th Street, Chicago, IL 60637 - USA; E-Mail: chrfrey@uchicago.edu