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In: KulturPoetik 2005, Heft 2

Autor

Michael Cowan

Titel

»The Gymnastics of the Will«. Abulia and Will Therapy in Early 20th Century German Culture

Kategorie

Beitrag

Abstract

Um 1910 wurde von vielen Intellektuellen der aufkommende literarische Expressionismus als eine ›Wiederentdeckung des Willens‹ auf ästhetischer Ebene gefeiert. Der vorliegende Beitrag untersucht den diskursiven Hintergrund dieser Beschäftigung mit dem Willen, seinen Pathologien und seinen möglichen Therapien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Vergleicht man die Rede vom Willen in verschiedenen Bereichen wie z. B. der Medizin, der Pädagogik und der Körperkultur, so stößt man immer wieder auf den Versuch, einen neuen, gegen die herrschenden materialistischen Erklärungsmodelle gerichteten Glauben an die Macht des Geistes über den Körper durchzusetzen – und damit den Menschen im Zeitalter der Nervenkrankheiten als autonomes, selbstbeherrschtes Wesen neu zu imaginieren. Gleichzeitig aber wird diese wiederholt proklamierte Autonomie des Geistes immer wieder durch den Rückgriff auf körperliche Performanz in der Willenstherapie unterminiert.